Am Freitag gehen wir in einen Club. Es ist ein total angesagter Club und man muss unbedingt mal dort gewesen sein. Deshalb sind wir schon um kurz vor 1 da, und freuen uns über die minimale Schlange. Am Eingang stehen Türsteher. Einer von ihnen ist ca. drei Meter groß, trägt ein dezentes Ganzkörpertattoo und unter anderem ein riesiges Nasenpiercing. Er erinnert mich an die Tiere, die im Babelsberger Park auf der Suche nach Eicheln immer den Bitte-nicht-betreten-Rasen aufwühlen. Einen kurzen Grunzer aus der Region, wo ich sein Gesicht vermute, beantworte ich mit “25″. Erstaunlicherweise muss ich dann nicht mal meinen Ausweis zeigen, und es geht auf zur Taschenkontrolle. Ein zernarbter Schlägertyp, ich nenne ihn mal Ronny, winkt mich mit einem Phallussymbol der Marke Maglite heran und ich öffne meinen Rucksack. Unter einem verdächtig-schwarzen Sweatshirt entdecken wir meinen geheimen Vorrat an Baguettebrötchen. Ein erstes Stirnrunzeln wird gefolgt von einem ungläubigen Blick, als der gute Mann auch noch ein Glas Kichererbsenbrotaufstrich in der Hand hält. “Dit is für morgen für’t Frühstück”, behaupte ich, und erhalte zur Antwort “Aber wenn de drinne bist, pass bloß uff dass de dit nich überall hinschmierst”. Oh, ertappt. In Nachtclubs schmiere ich nämlich zwanghaft vegetarische Sachen ans Geländer. Was? Während ich mich noch dieser Phantasie hingebe, findet Ronny in der Vordertasche ein gelbes Überraschungsei. Ronny ist auch echt überrascht, denn das Ei ist voller Niveacreme, was zu einem weiteren, aber von den Bässen aus dem Inneren des Clubs übertönten Kommentar führt. Eine schwarze, relativ schwere Filmdose verheißt da schon mehr Erfolg. Diesmal darf ich sie selbst öffnen, und stolz zeige ich Ronny mein Sortiment an Büroklammern, Sicherheitsnadeln, einem Ersatzfahrradventil und Notfallstreichhölzern. Beeindruckt gesteht er seinen Respekt ein: “Bist du’n Pfadfinda oda sowat?”.
Danach zeige ich Ronny meine Drogen. In einer zweiten Filmdose (“Und die machste och noch uff”) finden wir eine kleine, durchsichtige Plastiktüte. Im Inneren sieht man ein verdächtig weißes Pulver, das seine kolumbianische Herkunft nur schwer verbergen kann. Der barsche Befehl, die Tüte zu öffnen, fördert ein weißes, leicht angebröseltes Stück Kreide zutage. “Dit is für die Uni”, sage ich. “Da gibt’s immer keene.” Auf Ronnys Stirn brauen sich die Worte Willst du mich verarschen? zusammen, aber der Abend ist noch jung und so belässt er es bei einem “Na dit ging doch mal wieder total schnell, siehste?”, und ich freue mich und mache mich auf den Weg zur Kasse.
