Archiv für Februar 2008

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Wuldschwunu

12. 02. 2008

Am Sonntag zeige ich unseren beiden Couchsurfern die Uni, denn Peter möchte Romanistik studieren und Felix Philosophie. Wir fahren mit ihrem Auto nach Golm, aber die gewohnte ausgelassene Jahrmarktsstimmung will sich hier sonntags nicht so richtig einstellen. Eine postnukleare Stille liegt über dem menschenleeren Campus, und auch meine Anekdoten über Wildschweine vor der Mensa, gezeitenartige Wochenendzugfahrpläne und Musikfestivals auf der Exwiese (jetzt Parkplatz) mögen diesen Eindruck nicht verschönern. Haus 14 grollt in die Golmer Garstigkeit, und im angrenzenden Grund klafft eine große graue Grube. Schwarzpappeln und einsame Laternenmasten künden von Märzregen und verlassenen Wohnheimfenstern. Bevor die Gesichter der angehenden Erstis noch länger werden, fahren wir lieber zum Neuen Palais. Die alten Preußenhütten kommen schon viel besser an, und eigentlich möchte ich noch die schönen T-Heime zeigen, aber es wird schon dunkel. Wir besuchen stattdessen eine Ausstellung im Kulturzentrum und gehn danach indisch essen und beobachten ein paar nichtrauchende Nörgeltanten (“Ach, da unten in der dunklen Ecke ist also der Nichtraucherbereich??”), die glauben, mit dem neuen Nichtraucherschutz können sie sich alles erlauben. Erstaunlicherweise meint der Wirt, die Diskussion durch Rauswurf der ungeliebten Gäste für sich entschieden zu haben. Das sehen wir anders, und meiden in Zukunft das Kashmir-Haus in der Garnstraße.

Und nun, für die lieben Mädels aus Konstanz, das ganze noch mal auf Urdu.

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Unser täglich Brot

03. 02. 2008

Am Dienstag schickt mir mein Vater eine Email, was passiert, wenn man meinen Lebenslauf automatisch übersetzen lässt. Ich erfahre, dass ich neben C++ und Java auch die Programmiersprachen “Einleitung” und “Pythonschlange” beherrsche. Außerdem habe ich anscheinend ein Seminar zum Thema “Textbergbau” belegt. Besonders überrascht mich aber, dass meine ehemalige Chefin jetzt “Stefanie Schöpflöffel” heißt :-)

Am Donnerstag gehe ich Brot kaufen. Ich bin mir nicht sicher, es war wohl Ende der 90er, als im Bäckerhandwerk dieser Wettstreit begann um die bescheuertsten Brotnamen. Seitdem lauert bei jedem Bäckereibesuch das Gefühl, wie wenn man in einer Cocktailbar “Sex on the Beach” oder “Orgasmus” bestellt.

Vorne an der Theke steht ein junger sportlicher Mann. Nach einigem Zögern siegt der Hunger über jede Selbstachtung. »Ein ‘Kraftprotzbrot’, bitte.« Die junge Verkäuferin, ein bißchen angespuckt, verpackt sogleich ein großes Möhrenschnitzel, das eine Maschine in diversen Nuss- und Getreidesorten gewälzt hat. Nachdem auch ein Powerbrot und drei Supersonnen den Besitzer gewechselt haben, kommt ein seriös aussehender Herr an die Reihe. »Guten Tag, ich hätte gerne ein ‘Brotkörbchen’, ein ‘Kartoffelkrüstchen’ und ein ‘Steineckchen’.« Wie niedlich. So kann man den Kunden eine stetig sinkende Brotlaibmasse bei steigenden Preisen natürlich auch verkaufen. Wer von 400 Gramm wohl satt wird? Die Namen zumindest werden immer länger. »Geben Sie mir bitte ein ‘Kürbiskern an Kürbiskern’ und ein ‘Sonnenblumenvollkornbrot’.« Wow, 14 Silben für fünf Euro fünfzig.
Abgelenkt von den vielen Komposita bin ich etwas aus dem Konzept, als ich dran bin. »Hallo, ich hätte gerne die Maus, mein Liebling. Nee. Äh. Ich hätte gerne ‘die Maus’ und ‘Mein Liebling’«. Jetzt wäre vielleicht der Zeitpunkt, einen lustigen Flirtwitz zu machen, aber die Verkäuferin muss sich so was wahrscheinlich ständig anhören und packt alles in Papiertüten. Nächstes Mal kaufich wohl doch lieber wieder im Bioladen.

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